Wie bringt man ein Flugzeug sicher von Wien nach Neapel –
und wie verdient eine kleine Fluggesellschaft damit überhaupt Geld?
Klein anfangen: Mit einer neunsitzigen Propellermaschine beginnt in der Simulation deine Fluggesellschaft – mit genau so einer Maschine starten auch in Wirklichkeit viele Regionalfluglinien.
Darum geht es in diesem Kapitel:
Du führst eine kleine Fluggesellschaft. Dafür musst du verstehen, wie ein
Flughafen funktioniert: Was die Zahlen auf der Piste bedeuten und warum der
Wind entscheidet, in welche Richtung gestartet wird. Du erfährst, warum ein
Flugzeug fliegt und wozu Landeklappen,
Fahrwerk und Höhenmesser da sind. Du navigierst mit Kompass und
Großkreis über die Kugel und rechnest mit
Zeitzonen. Du lernst, wie
Leasing, Fixkosten und
Gewinn zusammenhängen. Und du wägst ab: Was macht das
Fliegen mit dem Klima – und wofür brauchen wir es trotzdem?
AT · GW: Orientierung im RaumAT · GW: Reisen, Mobilität & VerkehrAT · GW: Wirtschaften in BetriebenAT · GW: Klima, Wetter & NachhaltigkeitDE · KMK: Räumliche Orientierung & GradnetzDE · BW/BY: Verkehr, Mobilität, KlimawandelCH · LP21: RZG.4 Sich in Räumen orientierenCH · LP21: RZG.3 Mensch-Umwelt-Beziehungen
🎮 So arbeitest du mit der Simulation:
Du gründest eine kleine Fluggesellschaft und beginnst in Stufe 1 „Mit der
Caravan durch Europa". Dein Startkapital sind 60.000 €. Davon geht
gleich die Kaution für die erste Maschine weg: 40.000 €
für eine Cessna Caravan mit neun Plätzen. Die Maschine gehört dir nicht, du
mietest sie – das heißt Leasing, und die Monatsrate
läuft, ob du fliegst oder nicht. Du fliegst Trampfahrt:
Deine Maschine bleibt dort, wo sie landet, und nimmt dort den nächsten
Auftrag an. Jeder Einsatz ist eine Runde: Jede
Maschine deiner Flotte bekommt einen Auftrag, eine fliegst du selbst mit
allen Aufgaben, die anderen fliegt ein angestellter Kapitän. Pro Flug
erwartet dich eine große und eine kleine Aufgabe – vom Rollen zur Piste
über Start, Landung und Beladen bis zu Zoll und Gepäcksortierung. Jeder
fünfte Flug ist ein ganzer: Start und Landung selbst. Ein Monat hat 12 bis 14
Einsätze. Am Monatsende zählt der Gewinn – in Stufe 1 mindestens 26.000 €.
Die Stufen: Mit der Caravan durch Europa · Regionalverkehr · Weltweit.
Das einfachste Instrument am Flughafen: Der Windsack zeigt, wohin der Wind weht – und damit, auf welcher Piste gestartet wird.SEITE 1 · DER FLUGHAFEN
1 · Der Flughafen: Pisten, Wind und Zahlen
Auf jeder Piste steht am Anfang eine große Zahl. Das ist die
Pistenbezeichnung. Sie verrät, in welche
Richtung man auf dieser Piste startet. Richtungen misst die Luftfahrt in
Grad – wie auf der Windrose: Norden ist 360°,
Osten 90°, Süden 180°, Westen 270°. Die Pistenzahl ist diese Richtung
geteilt durch 10. Piste 29 bedeutet also 290° – fast genau Westen. Weil
jede Piste zwei Enden hat, hat sie auch zwei Zahlen, und die liegen immer
18 auseinander: In Wien heißen die beiden Pisten 11/29 und
16/34. Liegen mehrere Pisten parallel, kommt ein Buchstabe dazu:
L für links, R für rechts, C für die Mitte (englisch „center"). Budapest
hat die Pisten 13L/31R und 13R/31L – von der Gegenrichtung
aus gesehen ist links eben rechts. Zürich kommt auf drei Pisten:
10/28, 14/32 und 16/34 [3][5][6].
Welche Richtung gerade benutzt wird, entscheidet der Wind. Flugzeuge
starten und landen gegen den Wind. Der Gegenwind strömt zusätzlich über die Flügel, die Maschine hebt früher ab und
braucht weniger Piste. Dreht der Wind, dreht der ganze Flughafen um. Den
Weg von der Parkposition zur Piste nennt man Rollweg.
Rollwege haben Buchstaben, und gelbe Schilder zeigen den Weg. Ein rotes
Schild mit weißer Schrift warnt: Hier beginnt die Piste, ohne Freigabe
ist Schluss. Die Freigabe kommt aus dem Tower. Dort arbeiten die
Fluglotsen. Sie sprechen weltweit Englisch,
damit jede Besatzung jeden versteht. Davor haben die Fluggäste schon die
Sicherheitskontrolle hinter sich, und
wer aus einem Land außerhalb der EU ankommt, trifft auf den
Zoll (Seite 5).
Lesen wie ein Pilot: Gelbe Schilder führen über die Rollwege, das rote Schild markiert die Haltelinie vor der Piste – hier wartet man auf die Freigabe des Towers.
📊 Echte Zahlen: Wien: Piste 11/29
3.500 m, Piste 16/34 3.600 m[3] ·
Innsbruck: eine Piste 08/26, 2.000 m[4] ·
Zürich: 16/34 3.700 m, 14/32 3.300 m, 10/28 2.500 m
[5] · Flughafen Wien 2024: 31,72 Mio.
Passagiere – Rekord [2]
Merke: Pistenzahl = Startrichtung in
Grad : 10. Die zwei Enden einer Piste unterscheiden sich um 18. Gestartet
und gelandet wird gegen den Wind.
🎮 In der Simulation: Die Flughäfen haben
ihre echten Pisten. Bei der Aufgabe Zur Piste rollen liest du den
Wind ab, wählst die passende Pistenrichtung und rollst über die Rollwege
dorthin – höchstens 30 Knoten schnell, mit Towerfunk. Das bringt 2 %
des Erlöses als Zuschlag. Im Tower bist du selbst
Fluglotse oder Fluglotsin: Du verteilst anfliegende
Maschinen auf die Pistenrichtungen, nach Wind, Pistenlänge und Abstand (2 %).
Bei der Sicherheitskontrolle prüfst du Handgepäck im Röntgenbild und
tippst verbotene Gegenstände an – übersiehst du etwas, kostet die
Nachkontrolle 15 Minuten. Und im Vorfeld-Wimmelbild suchst du
Tankwagen, Einwinker, Feuerwehr und Tower und erfährst zu jedem Fund zwei
Sätze über den Beruf dahinter.
✏️ Aufgaben:
AEine Piste zeigt in Richtung
160°. Wie heißt sie – und wie heißt ihr anderes Ende?
BIn Wien weht der Wind aus 300°.
Zur Wahl stehen die Pisten 11, 29, 16 und 34. Welche nimmst du?
Begründe mit dem Gegenwind.
CInnsbruck hat eine Piste mit
2.000 m, Wien zwei mit über 3.500 m. Nenne je zwei Gründe – denk an die
Landschaft, an die Größe der Flugzeuge und an die Zahl der Flüge.
SEITE 2 · DAS FLUGZEUG
2 · Das Flugzeug: Warum es fliegt
Ein Flugzeug wiegt viele Tonnen und bleibt trotzdem oben. Der Grund
ist der Auftrieb. Der Flügel ist oben gewölbt und
leicht nach oben angestellt. Luft, die über ihn strömt, wird nach unten
abgelenkt – und die Luft drückt dafür den Flügel nach oben. Je schneller
die Luft strömt, desto stärker ist der Auftrieb. Deshalb muss ein
Flugzeug beim Start erst Fahrt aufnehmen. Beim Start und bei der Landung
fliegt es aber langsam. Dafür gibt es die
Landeklappen: Sie fahren aus dem Flügel heraus,
machen ihn größer und stärker gewölbt, und so trägt er auch bei geringem
Tempo. Das Fahrwerk wird nach dem Start
eingefahren, weil die Räder im Wind bremsen, und vor der Landung wieder
ausgefahren. Beim Startlauf gibt es einen wichtigen Punkt: die
Entscheidungsgeschwindigkeit V1.
Bis dahin kann die Besatzung den Start noch abbrechen. Danach reicht die
Piste nicht mehr zum Bremsen – es muss gestartet werden. Wird ein Flugzeug
zu langsam oder stellt es die Nase zu steil, reißt die Strömung vom Flügel
ab. Diesen Strömungsabriss warnt ein
Rüttler am Steuerhorn an.
Der Höhenmesser misst keine Höhe, sondern
den Luftdruck. Je höher, desto weniger Luft lastet
von oben: Nahe dem Meer entspricht 1 hPa weniger etwa 8 m mehr Höhe. Weil
Hochs und Tiefs den Luftdruck ebenfalls verändern, gibt der Tower den
aktuellen Wert durch, das QNH. Erst mit dem richtigen QNH zeigt der
Höhenmesser die Höhe über dem Meer. Dünne Luft hat noch eine Folge: Sie
trägt schlechter, und das Triebwerk leistet
weniger. Auf dem Flughafen von La Paz in 4.061 m Höhe braucht ein Flugzeug
deshalb eine viel längere Piste als in Wien; auch Denver auf 1.656 m hat
lange Pisten [7][8]. Fachleute sprechen von der
Dichtehöhe. Zwei Antriebe teilen sich den
Himmel: Die ATR 72 hat Propeller, ist mit 510 km/h langsamer, braucht
aber nur rund 800 Liter Kerosin je Stunde. Ein
Airbus A320 mit Düsentriebwerken fliegt 830 km/h und verbrennt 2.400 bis
2.600 Liter je Stunde – hat aber 180 statt 70 Plätze
[9]. Beim Beladen zählt der
Schwerpunkt: Fracht weit hinten hebt die Nase
wie ein Hebel. Gewicht · Abstand von der Mitte muss vorne und hinten
ungefähr gleich sein.
Mehr Flügel für weniger Tempo: Ausgefahrene Landeklappen vergrößern und wölben den Flügel – so trägt er auch bei der langsamen Landung.
📊 Echte Zahlen: Normatmosphäre:
1.013,25 hPa und 15 °C auf Meereshöhe, je 1.000 m Höhe rund
6,5 °C kälter; Faustregel 1 hPa ≈ 8 m [8] ·
La Paz/El Alto: 4.061 m, höchster internationaler Flughafen;
Denver: 1.656 m [7] · Airbus A320: 2.400 bis
2.600 l Kerosin je Flugstunde [9]
Propeller oder Düse? Auf kurzen Strecken ist die Propellermaschine sparsamer, der Jet ist schneller und in großer Höhe im Vorteil.
🎮 In der Simulation: Beim Start
setzt du Klappen Stufe 2, hältst die Bremse, gibst Vollgas, prüfst die
Triebwerksanzeigen, entscheidest bei V1 und ziehst bei „Rotate". Dann die
Taste G: Das Fahrwerk fährt ein (nicht bei der Caravan, die hat ein
festes). Klappen einfahren, Steigflug halten, dem Vogelschwarm ausweichen –
3 % Zuschlag; ein Startabbruch kostet Zeit. Bei der Landung aus dem
Cockpit hältst du Gleitpfad und Mittellinie, setzt Klappen 1–2–3 nach Ansage
des Kapitäns, fährst nach Klappen 1 mit G das Fahrwerk aus – die Leuchte
blinkt, bis „drei Grüne" anzeigen – und fängst bei „fifty" ab. Sauber
aufgesetzt bringt 4 % und 18 Minuten Zeitgewinn; hart gelandet heißt
Fahrwerksprüfung in der Werkstatt, zu weit heißt Durchstarten. Beim
Beladen des Frachtraums ziehst du die Stücke ins Raster und hältst den
Schwerpunkt-Zeiger im grünen Bereich (bis 5 % der Tankrechnung). Und beim
Höhenmesser drehst du nach vier Erklärkarten das Fenster auf das
QNH aus dem Funk. Die Seehöhe des Flughafens rechnet die Simulation in
zusätzliche Startstrecke um: In La Paz braucht die Caravan statt 900 m rund
1.400 m Piste.
✏️ Aufgaben:
AErkläre in zwei Sätzen, warum
die Besatzung vor der Landung die Klappen ausfährt und das Fahrwerk
erst spät ausfährt.
BAm Boden hat es 15 °C. Wie kalt
ist es in 3.000 m Höhe (6,5 °C je 1.000 m)? Und: Der Höhenmesser steht
auf 1.013 hPa, das echte QNH ist 1.005 hPa. Um wie viele Meter zeigt er
falsch (1 hPa ≈ 8 m)?
CInnsbruck liegt auf 581 m,
La Paz auf 4.061 m. Erkläre mit dem Begriff Dichtehöhe, warum dasselbe
Flugzeug in La Paz mehr Piste braucht – und was die Fluggesellschaft
dagegen tun kann, wenn die Piste nicht reicht.
SEITE 3 · NAVIGATION
3 · Navigation: Kurs, Großkreis und Zeitzonen
Im Cockpit gibt es keine Straßenschilder. Der Weg ist ein Kurs
in Grad, abgelesen am Kompass: Norden 360°, Osten
90°, Süden 180°, Westen 270°. Von Wien nach Neapel beträgt der
Anfangskurs 193°, also fast genau Süden. Weht der Wind von der Seite,
versetzt er das Flugzeug wie die Strömung ein Boot. Dann hält die
Besatzung die Nase ein paar Grad in den Wind – das ist der
Vorhaltewinkel. Geschwindigkeit misst die
Luftfahrt in Knoten: 1 Knoten ist eine Seemeile je
Stunde, also 1,852 km/h. Die Seemeile kommt vom
Gradnetz: Sie ist der sechzigste Teil eines
Breitengrads.
Auf weiten Strecken überrascht die Kugelform der Erde. Der kürzeste
Weg zwischen zwei Orten ist ein Großkreis, und
der sieht auf einer flachen Karte gebogen aus. Von Wien nach Tokio sind
es auf dem Großkreis 9.154 km[16] – die
Route führt über Sibirien weit nach Norden, obwohl Tokio südlicher liegt
als Wien. Wer stattdessen „geradeaus nach Osten" fliegt, ist deutlich
länger unterwegs. Auf dem Rückflug hilft oft der
Jetstream, ein Starkwindband in rund 10 km Höhe.
Und weil sich die Erde in 24 Stunden einmal dreht, ist sie in 24
Zeitzonen zu je 15 Längengraden geteilt. Gerechnet wird ab der Weltzeit UTC: Wien hat
UTC+1 (im Sommer +2), Tokio UTC+9, New York UTC−5 [17].
Flugpläne nennen immer die Ortszeit – darum landet ein Flug, der um
13:00 Uhr in Wien startet und elf Stunden dauert, nach Tokioter Uhr erst
um 8:00 Uhr am nächsten Morgen. Gegenüber dem Nullmeridian, bei 180°,
liegt die Datumsgrenze: Wer sie nach Osten
überquert, erlebt denselben Tag ein zweites Mal.
Richtung in Grad: Mit Kompass und Karte findet eine Besatzung auch ohne Satelliten den Weg – in der Simulation ist das die kleine Aufgabe Navigation.
📊 Echte Zahlen: Wien–Tokio
(Narita): 9.154 km Großkreis [16] ·
1 Knoten = 1,852 km/h, Seemeile 1.852 m · Zeitzonen: 360° : 24 h =
15° je Stunde; Wien UTC+1 (Sommer +2), Tokio UTC+9, New York UTC−5
(Sommer −4) [17] · Reiseflughöhe großer Jets:
10 bis 12 km (Reiseflughöhe)
Merke: Großkreis = kürzester Weg auf
der Kugel, auf der Karte gebogen. Zeitzonen: 15° Länge je Stunde, nach
Osten später, nach Westen früher. Ortszeit = die Uhr am Ort.
🎮 In der Simulation: Die kleine Aufgabe
Navigation fragt dich nach dem Kurs zum Ziel, nach dem Vorhaltewinkel
bei Seitenwind und nach dem kürzesten Weg. Bei Karte lesen tippst du
einen Ort nach seiner Lagebeschreibung an – „im Süden des Landes, rund 100 km
westlich von München" –, nah dran zählt (3 %). Dazu kommen Rechnen mit
Knoten und Seemeilen und das Ablesen von Kompass, Windsack und Höhenmesser.
Auf der Weltkarte fliegen alle Maschinen des Einsatzes gleichzeitig
entlang ihres Großkreises. Eine Flugstunde dauert 7,5 Sekunden; längere
Flüge schalten in den Zeitraffer (2-, 4-, 8- und 16-fach), kein Flug dauert
länger als rund eine halbe Minute. Die Uhr zeigt Abflug, jetzt und Ankunft
in Ortszeit, und Polarrouten wie Denver–Delhi laufen über 72° Nord.
Unterwegs fehlen im Europa-Puzzle die Länder entlang der Strecke –
du ziehst ihre Umrisse an den richtigen Platz
(2 %). Der Länderkatalog sammelt zu jedem überflogenen Land
Flagge, Hauptstadt und
Steckbrief.
✏️ Aufgaben:
ADer Kompass zeigt Kurs 225.
In welche Himmelsrichtung fliegst du? Und wie schnell sind 150 Knoten in
km/h (Faustregel: mal 2, dann ein Zehntel abziehen)?
BAbflug in Wien um 13:00 Uhr
Ortszeit, Flugzeit 11 Stunden, Tokio ist im Winter 8 Stunden voraus.
Wie spät ist es bei der Landung nach Tokioter Uhr?
CSpanne auf einem Globus einen
Faden von Wien nach Tokio und zeichne die Linie in eine flache Weltkarte.
Erkläre, warum die Linie über Sibirien führt und warum sie auf der Karte
gebogen aussieht.
SEITE 4 · DAS GESCHÄFT
4 · Das Geschäft: Leasing, Rate und Gewinn
Große Fluggesellschaften fliegen Linie: feste Strecken nach
Fahrplan, jeden Tag dieselbe Verbindung. Eine kleine Gesellschaft fliegt
oft Trampfahrt: Die Maschine fliegt dorthin, wo
gerade Fracht oder Fahrgäste warten, und sucht am Zielort den nächsten
Auftrag. Ein Flugzeug zu kaufen, kann viele Millionen kosten. Deshalb ist
Leasing der Normalfall: Weltweit sind
53 % aller Verkehrsflugzeuge gemietet, in Europa noch mehr
[11]. Am Anfang zahlt man eine
Kaution, dann jeden Monat eine Rate. Die Rate
läuft, ob die Maschine fliegt oder am Boden steht – sie gehört zu den
Fixkosten. Kerosin, Landegebühren und
Besatzung fallen dagegen nur an, wenn geflogen wird: variable Kosten. Ein
Leerflug ohne Fahrgäste kostet also voll und
bringt nichts – manchmal lohnt er sich trotzdem, wenn am Zielort bessere
Aufträge warten. So sieht die Abrechnung eines Fluges aus, mit den Sätzen
der Simulation (Caravan, Wien–Neapel 823 km, 8 Fahrgäste, Flugzeit rund
2,8 Stunden):
Einnahmen: 8 Fahrgäste · 486 € = 3.888 €
Kerosin: 250 l/h · 2,8 h = 700 l; 700 · 0,86 € = 602 € (Grundpreis – an einem Drehkreuz wie Wien gibt es Rabatt, dann kostet der Liter 0,80 €)
Besatzung: 2,8 h · 120 € = 336 €
Wartung: 2,8 h · 90 € = 252 €
Leasing: 14.000 € : 80 h = 175 €/h; 2,8 h · 175 € = 490 €
Gebühren Wien + Neapel: 98 € + 52 € = 150 €
Kosten gesamt: 1.830 €
Gewinn: 3.888 € − 1.830 € = 2.058 €
Mit Luftfracht fliegt, was eilig, leicht
oder wertvoll ist: Rosen aus Kenia, Medikamente, Ersatzteile. Schwere
Massenware wie Kohle oder Getreide fährt mit dem Schiff. Der Flughafen
Wien schlug 2024 fast 298.000 Tonnen Fracht um [2].
Die großen Flughäfen sind Drehkreuze:
Frankfurt zählte 2024 61,6 Mio. Fluggäste, München 41,6 Mio., Wien 31,7
Mio., Zürich 31,2 Mio. [2][13]. Jeder Flughafen hat
einen IATA-Code aus drei Buchstaben, der auf
jedem Kofferanhänger und jeder Bordkarte steht:
VIE für Wien (Vienna), ZRH für Zürich, FRA für Frankfurt, MUC für München,
CDG für Paris-Charles de Gaulle, FCO für Rom-Fiumicino. Und hinter jedem
Flug stehen viele Berufe – am Standort Wien arbeiten rund 20.000 Menschen
in 230 Betrieben [14]: Pilot:innen, Fluglotsen und
Fluglotsinnen, Techniker:innen, Einwinker, Tankwart:innen, Gepäck- und
Frachtabfertigung, Sicherheitskontrolle, Zoll, Flughafenfeuerwehr.
Drei Buchstaben für die ganze Welt: IATA-Codes wie ZRH und VIE stehen auf Bordkarte und Kofferanhänger – in der Simulation sortierst du damit das Gepäck.
📊 Echte Zahlen: Weltweit 53 %
der Verkehrsflugzeuge geleast (2024) [11] ·
Fluggäste 2024: Frankfurt 61,6 Mio., München 41,6 Mio., Wien
31,7 Mio., Zürich 31,2 Mio. [2][13] · Fracht
Wien 2024: 297.945 t[2] · Standort
Flughafen Wien: rund 20.000 Beschäftigte in 230 Betrieben
[14]
Viele Berufe für einen Abflug: Tankwagen, Gepäckwagen, Pushback-Schlepper und Container-Lader stehen in den Minuten vor dem Start am Flugzeug.
🎮 In der Simulation: Die Caravan kostet
40.000 € Kaution und 14.000 € Rate im Monat. Die Rate legt die
Simulation auf 80 Flugstunden um (175 € je Stunde), so steht sie in jeder
Abrechnung als Posten – und eine Maschine, die im Einsatz steht, zahlt sie
trotzdem (Standzeit). Nach jedem Flug siehst du
Posten für Posten: Erlös, Kerosin (am Abflugort getankt, große
Flughäfen billiger, abgelegene teurer), Gebühren an beiden Flughäfen,
Besatzung, Wartung, Leasing, bei Crew-Maschinen das Gehalt des Kapitäns
(60 € je Flugstunde für die Caravan, 190 € für die 787). Pünktlich bringt
6 % Bonus, jede Stunde Verspätung kostet 9 %. Dein Monat hat 12, 13 oder 14
Einsätze; mit mehr Maschinen verdienst du mehr, aber das Gewinnziel wächst
mit der Flotte. Höchstens sechs Stellplätze. Größere Muster gibt es
erst mit Erfahrung: Dash 8 ab 12 Einsätzen, Embraer E195 ab 30, A320neo ab
45, A321XLR ab 80, Boeing 787 ab 120, A350 ab 150, der Frachter 777F ab 200 –
die Langstreckenmuster erzählen dabei die ETOPS-Zulassung.
Fracht über 12 Tonnen zählt als Massenware und bringt je Tonne nur 40 %.
Die Lage des Monats (Ferien, Nebel, Ölpreis, Streik) verschiebt
Nachfrage und Kosten. Bei der Gepäcksortierung stellst du Koffer vom
Band nach ihrem IATA-Code auf den richtigen Wagen (2 %) – die Bestätigung
nennt jedes Mal die Bedeutung („CDG = Paris, Charles de Gaulle").
✏️ Aufgaben:
AWelche Posten der
Beispielrechnung sind Fixkosten, welche variable Kosten? Begründe bei
der Leasingrate.
BDerselbe Flug mit nur 4
Fahrgästen: Berechne Einnahmen und Gewinn. Und mit 9 Fahrgästen? Was
bedeutet das für die Auslastung?
CDeine Maschine steht in
Neapel, dort gibt es keinen Auftrag. In Rom (230 km) wartet ein Auftrag
mit 2.500 € Gewinn. Lohnt sich der Leerflug? Rechne die Kosten des
Leerflugs mit den Sätzen der Beispielrechnung (Flugzeit rund 1,1 h) und
entscheide.
SEITE 5 · FLIEGEN UND KLIMA
5 · Fliegen und Klima: CO₂, Alternativen, Verantwortung
Jeder Flug beginnt mit Kerosin im Tank und
endet mit CO₂ in der Luft. Die Rechnung ist einfach:
Aus 1 kg Kerosin werden 3,16 kg CO₂[10];
ein Liter wiegt rund 0,8 kg, also entstehen je Liter etwa 2,5 kg. Der
Caravan-Flug von Seite 4 mit 700 Litern verursacht damit rund 1,75 Tonnen
CO₂ – für acht Fahrgäste. Fair vergleichen kann man Verkehrsmittel nur je
Personenkilometer: Ein Inlandsflug
verursacht rund 290 gTreibhausgase je
Person und Kilometer, ein Fernzug 26 g, ein Fernbus 30 g, ein Pkw
164 g [1]. Auf der Strecke Wien–Brüssel kommt ein
Fahrgast im Nightjet auf 40 kg CO₂, im Flugzeug
auf 410 kg [15]. Darum gilt: Ein
Kurzstreckenflug ist fast immer durch die
Bahn ersetzbar. Dazu kommen die weißen
Kondensstreifen: In großer Höhe breiten sie
sich zu Schleierwolken aus, die wie eine Wärmedecke wirken. Diese
Nicht-CO₂-Effekte machen nach dem DLR
rund zwei Drittel der Klimawirkung des Fliegens aus
[18].
Trotzdem wäre eine Welt ohne Flugzeuge keine bessere: Inseln und
abgelegene Regionen haben keine Schiene, Medikamente, Spenderorgane und
Hilfsgüter nach Katastrophen müssen in Stunden ankommen, und Ozeane
überquert nur das Flugzeug in einem Tag. Verantwortung heißt also:
bewusst entscheiden. Voll besetzte Maschinen, sparsame Muster – der
A320neo verbraucht rund ein Sechstel weniger als sein Vorgänger –,
Bahn auf Kurzstrecken, seltener, dafür länger reisen. Wer aus einem Land
außerhalb der EU landet, trifft nach der Gepäckausgabe auf den
Zoll. Innerhalb der EU gibt es ihn nicht, denn die
Zollunion und der Binnenmarkt machen aus 27 Staaten einen Markt. Die Schweiz gehört zu
Schengen, aber nicht zur Zollunion – darum wird
dort Ware kontrolliert, nicht der Pass. Für die
Einfuhr nach Österreich gelten Freimengen: 200
Zigaretten, 1 Liter Spirituosen über 22 % oder 2 Liter unter 22 %, 4 Liter
Wein, 16 Liter Bier und sonstige Waren bis 430 € für Flugreisende; Bargeld
ab 10.000 € muss gemeldet werden [12]. Die
Freimengen für Tabak und Alkohol gelten erst ab 17 Jahren – und beides
schadet der Gesundheit, Freimenge hin oder her. Fleisch und Milchprodukte
aus Nicht-EU-Ländern sind verboten, geschützte Tiere und Pflanzen sowieso.
Grün oder rot? Wer aus einem Nicht-EU-Land kommt, entscheidet selbst – in der Simulation sitzt du auf der anderen Seite und prüfst, ob die Wahl stimmt.
📊 Echte Zahlen: Treibhausgase je
Person und km (DE 2024): Flugzeug Inland 290 g, Fernzug
26 g, Fernbus 30 g, Pkw 164 g [1] ·
1 kg Kerosin → 3,16 kg CO₂[10] · Nightjet
Wien–Brüssel 40 kg je Person gegen 410 kg im Flugzeug
[15] · Freimengen AT (Flugreisende): 200 Zigaretten,
1 l Spirituosen, Waren bis 430 €[12]
📊 Beispielrechnung (1.000 km):
Flugzeug: 1.000 · 290 g = 290.000 g = 290 kg je Person
Fernzug: 1.000 · 26 g = 26.000 g = 26 kg je Person
Unterschied: 290 kg − 26 kg = 264 kg Treibhausgase
🎮 In der Simulation: Jede Abrechnung nennt
das CO₂ deines Fluges (2,54 kg je Liter Kerosin), der Monatsabschluss
summiert es und zeigt daneben, wofür geflogen wurde: Städtereisende,
ein Orchester, Ersatzteile, Blumen, Medikamente. Ein Gewitter kannst du
umfliegen – das kostet Zeit und Kerosin – oder durchfliegen, dann droht
Hagelschaden. Die Lage des Monats kann der Ölpreis sein, ein Streik oder
Vulkanasche. Nach einer Landung aus einem Nicht-EU-Land kommt die
Zollkontrolle: Reisende treten mit ihren Sachen vor dich, du
entscheidest grün oder rot, danach kommt die Auflösung je Sache mit der
Regel dahinter – Freimengen, Bargeld, Lebensmittel, Artenschutz, Fälschungen
(2 %; bei Fehlern eine Viertelstunde Nachkontrolle).
✏️ Abschluss-Aufgaben:
AWievielmal mehr Treibhausgase
je Person und km verursacht der Inlandsflug gegenüber dem Fernzug
(290 : 26)? Runde auf eine ganze Zahl.
BDer Caravan-Flug Wien–Neapel
braucht 700 l Kerosin. Berechne das CO₂ (2,5 kg je Liter) und teile es
auf 8 Fahrgäste auf. Vergleiche mit 823 km im Fernzug (26 g je km).
C„Flugzeuge gehören
abgeschafft." Schreibe eine Stellungnahme mit zwei Argumenten dafür und
zwei dagegen. Verwende die Begriffe Personenkilometer, Kurzstreckenflug
und Nicht-CO₂-Effekte.
QUELLEN
Quellen & zum Weiterlesen
[1] Umweltbundesamt (DE): Vergleich der durchschnittlichen Emissionen
einzelner Verkehrsmittel im Personenverkehr 2024 (TREMOD 6.71B, 2025) –
umweltbundesamt.de ·
Tabelle (PDF)
[2] Flughafen Wien AG: Verkehrsergebnis 2024 – 31,72 Mio. Passagiere,
297.945 t Fracht (Jänner 2025) –
viennaairport.com (PDF)
[3] SKYbrary: Vienna International Airport (LOWW) – Pisten 11/29 3.500 m,
16/34 3.600 m (2025) –
skybrary.aero
[4] SKYbrary: Innsbruck Airport (LOWI) – Piste 08/26 2.000 m, Platzhöhe
1.907 ft (581 m) (2025) –
skybrary.aero
[5] Flughafen Zürich AG: Das Pistensystem – 16/34 3.700 m, 14/32 3.300 m,
10/28 2.500 m (Magazin 2024) –
flughafen-zuerich.ch
[6] Wikipedia: Budapest Ferenc Liszt International Airport – Pisten
13L/31R 3.707 m und 13R/31L 3.010 m (2025) –
wikipedia.org
[7] Wikipedia: El Alto International Airport, La Paz – 4.061 m (2025) –
wikipedia.org ·
SkyVector: Denver International Airport – 5.433 ft (1.656 m) –
skyvector.com
[8] Wikipedia: Normatmosphäre (ICAO-Standardatmosphäre) – 1.013,25 hPa,
15 °C, −6,5 K je 1.000 m (2025) –
wikipedia.org ·
phyphox (RWTH Aachen): Barometrische Höhenstufe, rund 8 m je hPa –
phyphox.org (PDF)
[9] aero international: Wie viel Kerosin verbraucht ein Flugzeug? – A320
2.400 bis 2.600 l je Stunde (2024) –
aerointernational.de
[10] ICAO: Carbon Emissions Calculator Methodology, Version 13 – 3,16 kg
CO₂ je kg Kerosin (Jet A-1), nach ICAO Annex 16 Vol. IV (2024) –
icec.icao.int (PDF)
[11] IATA: More aircraft are leased than owned by airlines globally –
53 % geleast (Februar 2024) –
iata.org
[12] Bundesministerium für Finanzen (AT): Zoll – Freimengen und Freigrenze
bei Einreise aus Nicht-EU-Ländern (2025) –
bmf.gv.at
[13] Passagierzahlen 2024: Frankfurt 61,6 Mio. (hessenschau, Jänner 2025) –
hessenschau.de ·
München 41,6 Mio. (aeroTELEGRAPH, Jänner 2025) –
aerotelegraph.com ·
Zürich 31,2 Mio. (aeroTELEGRAPH, Jänner 2025) –
aerotelegraph.com
[14] Flughafen Wien AG: Standort mit rund 230 Unternehmen und 20.000
Beschäftigten (Presseinformation 2023) –
viennaairport.com (PDF)
[15] ORF Wien: Nightjet Wien–Brüssel – 40 kg gegen 410 kg CO₂ je Person
(Jänner 2020) –
wien.orf.at ·
Wikipedia: ÖBB Nightjet – Fahrgastzahlen und Streckennetz –
wikipedia.org
[16] Air Miles Calculator: Vienna (VIE) – Tokyo Narita (NRT), 9.154 km
Großkreis (2025) –
airmilescalculator.com
[17] timeanddate.com: Zeitzonen-Weltkarte (UTC-Abweichungen Wien, Tokio,
New York, 2025) –
timeanddate.com
[18] DLR: Klimawirkung des Luftverkehrs – ein Drittel CO₂-, zwei Drittel
Nicht-CO₂-Effekte (2024) –
dlr.de